Und immer wieder: „Flexibilisierung“ der Arbeit. Was ist das eigentlich?

Arbeitsrecht aktuell. In Göttingen, Kassel & bundesweit.

Das Thema „Flexibilisierung der Arbeitszeit“ ist aktuell nicht nur medial „in aller Munde“, sondern stellt auch das derzeit konfliktträchtigste arbeitsrechtliche und arbeitspolitische Thema dar.

Dieses, für Arbeitnehmer, Betriebsräte und Gewerkschaften hoch brisante Thema, weist sehr unterschiedliche Aspekte auf und ist deshalb für die betroffenen Arbeitnehmer oft nicht klar einzuordnen.

Während Arbeitgeber und ihre Interessenvertreter unter dem Stichwort „Flexibilisierung der Arbeit“ eine Auflösung des klassischen Arbeitsalltages (wochentags von 9 bis 18 Uhr) verstehen und versuchen, eine flexible Anpassung der Arbeitsleistung an den aktuellen Arbeitsbedarf zu erreichen, ist das Thema seitens der Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen sozialpolitisch geprägt. Schwerpunkt gewerkschaftlicher Behandlung des Themas ist die flexible Vereinbarkeit von Arbeit und wichtigen privaten Belangen, wie beispielsweise einem Betreuungsbedarf von Angehörigen. Dies findet aktuell seine stärkste Ausprägung in den bundesweiten Streikaktivitäten der IG Metall.

Auch in der Politik findet sich das Thema vielfach, zum Beispiel bei dem viel diskutierten Thema eines Rückkehrrechtes aus Teilzeit in erneute Vollzeittätigkeit.

Aus Arbeitnehmersicht begründet die arbeitgeberseitige Behandlung des Themas die Gefahr erheblicher Belastungen. Die Arbeitgeberforderung nach jederzeitiger, wechselnder und teils auch spontaner Bereitstellung von Arbeitsleistung, wie sie beispielsweise bereits heute mit Arbeitszeitmodellen wie Rufbereitschaft praktiziert wird, stellt das Privatleben und private Belange von Arbeitnehmern unter den Vorbehalt fehlenden Arbeitsbedarfes. Planbarkeit des Privatlebens und verlässliche Ruhezeiten leiden unter einer fehlenden klaren Grenzziehung zwischen Arbeit und Freizeit. Während flexible Arbeitsmodelle für bestimmte Branchen hochkreativen und intellektuellen Arbeitens, beispielsweise im IT Bereich, durchaus noch Anklang bei Arbeitnehmern finden könnten, so stellen sie doch für das Gros der Arbeitnehmer durchweg Belastungen dar. Diese überwiegend negativen Auswirkungen grenzenloser Flexibilisierung von Arbeitszeit sind vielfach durch entsprechende Studien belegt. Erst jüngst wurde dies durch eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung (gemäß Pressemitteilung vom 14.08.2017) erneut bestätigt.

Gerade für Betriebsräte und Gewerkschaften stellt sich in dem Themenkomplex die Aufgabe der arbeitgeberseitigen Deutung des Themas, eine sozialpolitische Ausprägung entgegen zu stellen und das Thema nicht alleine den Arbeitgeberinteressen zu überlassen. Wie dies geschehen kann, zeigt ganz aktuell die bundesweite Positionierung der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde.

Betriebsräten und Gewerkschaften stehen hier auch die gesetzlichen Regelungen aus dem Tarifvertragsgesetz und dem Betriebsverfassungsgesetz zur Seite, die Arbeitszeitregelungen grundsätzlich unter den Vorbehalt einer Mitbestimmung durch die Arbeitnehmervertretungen stellt. Sie können daher an der Gestaltung arbeitnehmerschützender Regelungen konkret mitwirken. Hier gilt es insbesondere, der Flexibilisierung klare Grenzen zu setzen und zum Wohle der Arbeitnehmer positive Effekte, wie sie beispielsweise durch Gleitzeitregelungen möglich sind, einzubringen.

Wir unterstützen Sie gerne bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

Hentschel Rechtsanwälte

-Die Arbeitnehmerkanzlei-




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