LAG Düsseldorf zur Kündigung eines Arbeitnehmers wegen außerbetrieblichem Fehlverhalten

Arbeitsrecht aktuell. In Göttingen, Kassel & bundesweit.

Das LAG Düsseldorf hat sich in einer aktuellen Entscheidung (Az. 11 Sa 319/17) mit der Kündigung eines Arbeitnehmers wegen eines außerbetrieblichen Verhaltens beschäftigt.

Arbeitsrechtlich ist streng zwischen dem Freizeitbereich und dem Arbeitsbereich zu unterscheiden. Der außerhalb des Betriebes und den Arbeitspflichten gelegene Privatbereich der Arbeitnehmer*innen spielt für das Arbeitsverhältnis prinzipiell keine Rolle. Mit der Kündigung als der stärksten Form arbeitsrechtlicher Sanktionierung kann daher grundsätzlich nur eine Pflichtverletzung im Arbeitsverhältnis geahndet werden.

Es ist in der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung jedoch anerkannt, dass bestimmte Verhaltensweisen außerhalb des Arbeitsverhältnisses, also in der Freizeit, einem Pflichtverstoß im Arbeitsverhältnis gleichstehen können. Für den Arbeitgeber kann dann gegebenenfalls die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar sein - beispielsweise bei groben Beleidigungen des Arbeitgebers in sozialen Netzwerken.

Mit einem solchen Fall hatte sich das LAG Düsseldorf zu befassen. In der Privatwohnung eines als Chemie-Laboranten beschäftigten Arbeitnehmers waren Chemikalien aufgefunden worden, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet waren. Der Mitarbeiter wurde strafrechtlich wegen eines Sprengstoffvergehens verurteilt.

Das LAG hatte in dem vorliegenden Fall zu entscheiden, ob aufgrund dieser außerbetrieblichen Umstände die Eignung und Zuverlässigkeit des Chemie-Laboranten als Arbeitnehmer in Frage gestellt werden konnten. Nach Abwägung von Art und Schwere des Verhaltens, der geschuldeten Arbeitsleistung im Betrieb, bei der konkret keine gefährlichen Chemikalien zu verwenden waren, und der langen Betriebszugehörigkeit befanden die Richter des LAG, dass die ausgesprochene Kündigung nicht gerechtfertigt sei.

Die Entscheidung zeigt auf, dass das Verhalten von Arbeitnehmer*innen außerhalb des Arbeitsverhältnisses nur ausnahmsweise und nur bei erheblicher Schwere geeignet sein kann, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für den Arbeitgeber unzumutbar zu machen. Es bedarf hier stets der sorgfältigen Abwägung aller relevanten Umstände des konkreten Einzelfalls.

Wir unterstützen Sie gerne bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

Hentschel Rechtsanwälte

-Arbeitsrecht für Arbeitnehmer-




Ein barrierefreier Zugang sowie mehrere Park- und Tiefgaragenplätze stehen Ihnen zur Verfügung. Eine direkte Busanbindung, Linie 21, Haltestelle Leibnizstraße, befindet sich gegenüber unseren Kanzleiräumen.

Geismar Landstr. 19a
37083 Göttingen

Telefon: 0551.517 36-23
Fax: 0551.517 36-24

nach oben