Gefährliches WM-Fieber

Arbeitsrecht aktuell. In Göttingen, Kassel & bundesweit.

Wer auf der Arbeit ein Fußballspiel über Radio, Fernsehen oder einen Live-Stream verfolgt, dem drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Roten Karte.

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat begonnen. Den deutschen WM-Auftakt am letzten Wochenende verfolgten ganze 25,97 Mio. Zuschauer im Fernsehen. Das entspricht einem Marktanteil von 81,6 %. Die Spiele werden jedoch nicht nur am Wochenende ausgetragen, sondern finden vielfach unter der Woche in der Zeit ab 14:00 Uhr statt – und damit während der üblichen Arbeitszeiten. Das betrifft unter anderem das Match der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea am Mittwoch, den 27. Juni um 14:00 Uhr. Spätestens seit dem enttäuschenden Abschneiden gegen die Elf aus Mexiko wissen alle um die Bedeutung dieses „k.o.-Spiels“. Doch was heißt das für fußballbegeisterte Arbeitnehmer*innen in Göttingen?

Zunächst einmal ändert auch ein so wichtiges Spektakel wie die Fußball-WM nichts daran, dass während der Arbeitszeit die Pflichten aus dem Arbeitsvertrag vorgehen und ordnungsgemäß erfüllt werden müssen.

Hat der Arbeitgeber das Radiohören nicht verboten, stellt sich die Frage, ob die Beschäftigten die Rundfunkübertragung eines Spiels mitverfolgen dürfen. Das Radiohören während der Arbeitszeit ist nach der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte erlaubt, sofern die Arbeitsleistung hierdurch nicht beeinträchtigt wird, die Beschäftigten also weiterhin die Arbeit konzentriert, zügig und fehlerfrei verrichten (BAG, Beschluss vom 14.01.1986, Az. 1 ABR 75/83). Leidet jedoch die Aufmerksamkeit oder wird die Arbeit gar unterbrochen, muss der Arbeitgeber das Mitverfolgen des Spiels im Radio nicht dulden.

Wird die Fußballübertragung sogar im TV oder via Live-Stream angesehen, ist davon auszugehen, dass die Arbeitsleistung nicht mehr wie geschuldet erbracht werden kann. Zudem ist die Nutzung eines Live-Streams nur dann zulässig, wenn der Arbeitgeber den privaten Internetgebrauch erlaubt hat.

Zusammenfassend ist davon abzuraten, während der Arbeitszeit die WM-Übertragung im Radio anzuhören oder im TV oder Live-Stream anzusehen. Wer ohne vorherige Absprache mit dem Arbeitgeber von diesen Übertragungsangeboten Gebrauch macht, dem droht die Gelbe Karte – eine Abmahnung – und im Wiederholungsfall die Rote Karte in Form einer verhaltensbedingten Kündigung.

Vollständig müssen die Beschäftigten dennoch nicht auf die WM verzichten. Es gibt eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, um den Fußballgenuss am Arbeitsplatz zu sichern. Aber Achtung: Auch wenn der Arbeitgeber in der Vergangenheit Arbeitsunterbrechungen gestattet hat, damit sich die Beschäftigten ein sportliches Ereignis ansehen konnten, sollte in jedem Einzelfall vorab die ausdrückliche Erlaubnis dafür eingeholt werden. Möglich ist auch die Verständigung auf eine Umverteilung der Arbeitszeit: An einem wichtigen Spieltag könnten die Beschäftigten eine Pause verlängern oder früher Feierabend machen und zum Ausgleich an einem anderen Tag länger arbeiten. Besteht ein Betriebsrat, kann dieser gemeinsam mit dem Arbeitgeber eine solche Lösung erarbeiten.

Lässt sich der Arbeitgeber nicht darauf ein, können die Beschäftigten auch rechtzeitig Urlaub beantragen, den der Arbeitgeber allerdings nicht in jedem Fall genehmigen muss.

Wer vorab mit dem Arbeitgeber eine einvernehmliche Absprache trifft, hat gute Karten, die WM-Spiele auch während der Arbeitszeit verfolgen zu dürfen.

Bleibt die Frage, wie eine Arbeitsrechtskanzlei mit dem Südkorea-Match umgeht. Wir schauen natürlich zusammen das Spiel.

 

Wir unterstützen Sie gerne bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

Hentschel Rechtsanwälte

-Arbeitsrecht für Arbeitnehmer-




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